Artikel in der Hessischen/ Niedersächsischen Allgemeinen (HNA)

Artikel in der Hessischen/ Niedersächsischen Allgemeinen (HNA)

07.03.20 Wenn Wahltage Glückstage sind - oder auch nicht.

[...] Tatsächlich fanden die letzten 22 Knesset-Wahlen fast ausschließlich an Dienstagen statt – nicht etwa, weil man diese Tradition aus den USA übernommen hätte, wo die Wahlen zum US-Kongress ebenfalls immer an einem Dienstag stattfinden müssen. Der Dienstag als dritter Tag der jüdischen Woche gilt in Israel als Glückstag! Bereits im Schöpfungsbericht des 1. Buch Mose stellt der liebe Gott am dritten Tag gleich zweimal selbstzufrieden fest, „dass es gut war“, was er soeben erschaffen hatte. Hieraus entwickelte sich im Judentum auch die Ansicht, dass das Eheleben eines Paares um vieles glücklicher wird, wenn es an einem Dienstag heiratet.

 

02.02.20 Zehn Maß Schönheit kamen auf diese Stadt

Im Talmud, neben der Torah eines der bedeutendsten Schriftwerke des Judentums, steht geschrieben: „Zehn Maß Schönheit kam auf die Erde herab. Jerusalem bekam davon neun. Die übrige Welt eins.“ Und tatsächlich hat Jerusalem einige sehr hübsche Ecken, etwa wenn man in den frühen Abendstunden vom Ölberg gen Westen auf die Altstadt von Jerusalem blickt. Dann reflektieren die durchgängig aus weißem Jerusalemstein errichteten Häuser das Sonnenlicht und erzeugen einen goldenen Schimmer, der die ganze Stadt überzieht. Wo vor 2000 Jahren der jüdische Tempel stand, erheben sich heute der prachtvolle achteckige Felsendom und die Al-Aqsa-Moschee – die wichtigsten muslimischen Heiligtümer der Stadt. Auch die Kuppeln der Grabeskirche, wo nach christlicher Auffassung Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi stattfanden, sind von hier aus gut zu erkennen.

Viele Mythen und Legenden ranken sich um Jerusalem: Adam, der erste Mensch, soll hier erschaffen worden sein. Muslime verehren in Jerusalem jenen Ort, an dem der Prophet Mohammed seine nächtliche Himmelsreise angetreten hat und im Mittelalter galt die Stadt gar als der Mittelpunkt der Welt.[...]

25.09.19 Interview mit Uriel Kashi: "Viele Haben Netanyahu satt"

Herr Kashi, warum sind die Blau-Weißen von Benny Gantz derzeit in Israel so erfolgreich?

Weil viele Israelis Benjamin Netanjahu mit seinen Korruptionsskandalen, aber auch seine Selbstgefälligkeit und seine aggressive Rhetorik satthaben. Gleichzeitig unterstützen sie aber große Teile seiner Politik und wollen insbesondere die Sicherheitsinteressen des Landes nicht gefährdet sehen.
Es ist ein Erfolgsprinzip von Blau-Weiß, dass die Partei neben dem ehemaligen Generalstabschef Benny Gantz noch eine Reihe weiterer hoher Ex-Militärs in ihren Reihen hat. In der Politik gegenüber dem Iran oder der palästinensischen Hamas im Gazastreifen unterscheiden sich der Likud und Blau-Weiß kaum. [...]

07.12.17 Interview mit Uriel Kashi: „Jerusalem ist ja auch Hauptstadt“

https://www.hna.de/politik/jerusalem-auch-hauptstadt-9431271.html

Mit seinem historischen Alleingang in der Jerusalem-Frage hat US-Präsident Trump den Nahen Osten in Aufruhr versetzt. Die Hamas ruft zum Aufstand auf. Wie sehen Jerusalemer selbst die Lage? Darüber sprachen wir mit einem von ihnen, Uriel Kashi.

Herr Kashi, wie ist die Lage in Jerusalem? 

Uriel Kashi: In West-Jeruslaem ist es entspannt, ruhig wie immer. In Ost-Jerusalem, in der Altstadt, ist auch nicht viel mehr Polizeipräsenz als sonst. Das Neue seit Donald Trumps Rede ist, dass die arabischen Geschäfte, sprich die Geschäfte im muslimischen und im christlichen Viertel, zum Generalstreik aufgerufen haben. Dort sind jetzt die meisten Läden dicht. Die Grabeskirche ist aber voll wie immer, viele Touristen sind dort. Örtliche Spannungen gab es vorm Damaskustor, im modernen Ostteil und im palästinensischen Autonomiegebiet, also etwa in Ramallah und Betlehem.

Wie ist denn die Lage am Tempelberg? Gibt es noch Führungen auf dem Plateau rund um den Felsendom? 

Kashi: Meines Wissens ist dort nichts gesperrt. Zur Klagemauer kann man ganz normal gehen, die Cafés und Restaurants sind voll. Jedenfalls herrscht hier keine Weltuntergangsstimmung. Ich glaube, man muss auch aufpassen, dass man nicht von ein paar Fernsehbildern aufs Ganze schließt. Zurzeit läuft hier eigentlich alles ganz normal.

Gibt es Israelis, welche Trumps Entscheidung, Jerusalem als Israels Hauptstadt anzuerkennen, kritisch sehen? 

Kashi: Naja, de facto ist Jerusalem ja auch die Hauptstadt Israels, genau wie Donald Trump es gesagt hat. Das Parlament, die Knesset, die Regierung, der Oberste Gerichtshof sind hier. Jeder Staatsgast übernachtet hier und führt hier die Gespräche, so auch Angela Merkel. So gesehen hat Trump nur gesagt, was ist. Es gibt aber natürlich auch Israelis, die sich sorgen, ob Trumps Rede Ausschreitungen nach sich zieht.

Kann die Bedrohungslage noch schlimmer werden?

Kashi: Es mag anders scheinen, aber wir haben hier eine gute Phase. Gewiss gab es Attentate, meist auf Polizisten, Soldaten oder auf vermeintlich radikale Siedler. Intifada ist aber etwas anderes. Das waren viel breiter gestreute Anschläge auf Restaurants, Busse und Zivilisten mit viel mehr Toten. Damals war der Tourismus komplett eingebrochen.

Wie ist es heute? 

Kashi: Dieses Jahr ist mit über 3 Millionen Touristen ein Rekordjahr gewesen. Das hat wohl auch damit zu tun, dass man sich hier sehr sicher fühlt, weil sich herumgesprochen hat, dass man in Israel gelernt hat mit Terrorismus umzugehen. Man fühlt sich hier nicht unsicherer als in einem europäischen Land.

Welche Dynamik bringt die Trump-Rede in diese Lage? 

Kashi: Das Gefühl „Für uns interessiert sich eigentlich keiner mehr“ ist aus palästinensischer Sicht durch die Trump-Rede sicher bestärkt worden. Dazu toben auch viel zu viele andere Konflikte in der Welt: Jemen, Syrien, Schiiten gegen Sunniten, Saudi-Arabien, Iran, IS, Libanon.

Wird Trumps Rede zu einem Aufstand führen? 

Kashi: Das könnte passieren. Aber ich glaube nicht, dass es passiert. Man sieht ja auch in den palästinensischen Gebieten einen wirtschaftlichen Aufschwung. Der Tourismus boomt nicht nur in Israel, sondern auch in Palästina. In und um Ramallah wird viel gebaut. Man hat auch hier mehr zu verlieren als früher.

Der Wunsch nach einem eigenen palästinensischen Staat ist doch verständlich? 

Kashi: Ja sicher, und sie warten und hoffen schon so lange darauf. Die israelische Besatzung in Palästina muss beendet werden. Besonders die jetzige rechte Regierung in Israel nimmt vielen Menschen die Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben. Anderseits sehen die Araber in Israel und in Palästina, wie es in arabischen Staaten rundum zugeht. In der Westbank gilt Israel daher manchen Arabern sogar auch als stabilisierender Faktor. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass man weder von der palästinensischen noch von der israelischen Regierung eine bessere Zukunft erwartet.

Ist die Zwei-Staaten-Lösung mit Trumps Rede gestorben? 

Kashi: Das hört man immer öfter. Die Alternative wäre eine Annektion der besetzten Gebiete durch Israel, ohne dass die Palästinenser volle staatsbürgerliche Rechte bekommen würden. Das wäre aber in einer Demokratie, die Israel für sich beansprucht, nicht denkbar. Gleichzeitig scheinen die religiösen Scharfmacher auf beiden Seiten immer stärker zu werden.

Was ändert dann Trumps Rede? 

Kashi: Mit Blick auf künftigen Frieden sehe ich da nichts. Umgekehrt bin ich optimistisch, dass die Trump-Rede nicht allzu großen Schaden anrichten wird. Trump hat im Übrigen betont, dass er nichts am Status des Tempelbergs ändern will und offen für eine Zwei-Staaten-Lösung ist, wenn beide Seiten diese wollen. Für einen stabilen Frieden braucht man aber viel mehr, vor allem die Kooperation von Israel, Jordanien und den Palästinensern. Eigentlich bietet der derzeitige wirtschaftliche Aufschwung dafür gute Chancen. Es fehlen nur leider auf beiden Seiten die nötigen Politiker mit Format und vertrauensbildenden Signalen.