Behold the Man: Jesus in Israeli Art – Ausstellung im Israel Museum

Das 1965 gegründete Israel-Museum zählt zu den interessantesten Kultureinrichtungen Israel. Die archäologische Abteilung, das Jerusalemmodell und der Schrein des Buches zur Geschichte der Qumran-Funde zählen bei meinen Gästen zu den besonders populären Abteilungen. Die Dauerausstellung zur israelischen Kunst wird hingegen – besonders nach der Umgestaltung vor etwa einem Jahr – als eher langweilig empfunden wird.

Sehr spannend waren in den letzten Jahren jedoch die Wechselausstellungen und gerade die aktuelle Ausstellung zum Umgang israelischer Künstler mit Jesus erfreut sich großer Popularität.

Seit dem späten 19. Jahrhundert bis heute haben sich jüdische und israelische Künstler mit der Figur Jesu auseinandergesetzt. Die Ausstellung in Jerusalem präsentiert vielfältige und oft unerwartete künstlerische Reaktionen auf diese Frage. 150 Arbeiten sind in Jerusalem zu sehen und veranschaulichen, wie die Figur Jesu, dessen Name und Abbild für Juden lange ein Tabu war, zu einer künstlerischen Inspirationsquelle wurde. In einigen Werken wird er direkt thematisiert, häufig jedoch nur indirekt auf ihn verwiesen, um verschiedene soziale oder politische Themen anzusprechen.Im Folgenden möchte ich ein paar der präsentierten Kunstwerke vorstellen:
2 Samuel Hirzenberg - Bild
Die Ausstellung beginnt mit dem monumentale Gemälde „The Wandering/Eternal Jew“ des polninsch-jüdischen Künstlers Samuel Hirszenberg. Es entstand 1899 und wurde zum Symbol des jüdischen Leids in der Diaspora. Hirszenbergs ewiger Jude bewegt sich wie auf der Flucht in einem Wald aus dunklen Kreuzen. Er ist nur mit einem Lendenschurz bekleidet und erinnert an Jesus am Kreuz.

Nach der Staatsgründung tendierten israelische Künstler dazu, sich mit dem persönlichen Leid Jesu als Mensch und seiner universellen, ethischen Botschaft zu identifizieren.

Die Arbeit von Igael Tumarkins entstand 1984 als Reaktion auf den ersten Libanon-Krieg. Ein Feldbett deutet die Form eines Kreuzes an, auf dem die Inschrift “MITA MESHUNA” steht. Darunter erinnert ein blau-weißes Tuch an eine zerrissene, herabhängende israelische Flagge. “Mita Meshuna” deutet darauf hin, dass der Soldat, der einen frühen Tod stirbt von der Gesellschaft geopfert wurde und daher wie Christus das Opfer einer Kreuzigung ist.
Auch die „Beduinenkreuzigung“ (1982) des Künstlers, bestehend u.a. aus Zeltstangen eines zerstörten Beduinenlagers, klagt die israelische Gesellschaft an.

Eines der berühmtesten Werke der Ausstellung ist Adi Nes’ Foto von israelischen Soldaten, die in ihrer Anordnung an Leonardo da Vincis „Das letzte Abendmahl“ erinnern. Die zentrale Figur auf dem Platz von Christus scheint nachdenklich und blickt in die Ferne. Nes zieht damit eine Analogie zwischen der israelischen Realität und der christlichen Szene. Er spielt darauf an, dass dies auch das letzte Abendmahl der Soldaten sein könnte.

Adi Nes Photo

Die Figur Jesus scheint auf auf jüdische Künstler schon immer eine gewisse Faszination ausgeübt zu haben.Keine der Kunstwerke wirkt missionarisch oder deutet auf eine Überlegenheit des Christentums gegenüber des Judentums hin. Die eher negative Bezugnahme auf Jesus in frühen Kunstwerken rührt von der Gewalt, die vom Christentum in Form von Kreuzzügen oder späteren Judenverfolgungen ausging. Die viel positive Bezugnahme auf Jesus in neueren Kunstwerken zeigt uns hingegen, wie selbstkritisch die israelische Kunst mittlerweile geworden ist und wie sich das Verhältnis zum Christentum in den letzten Jahren verändert hat.

Die Ausstellung bietet damit einen spannenden, neuen Einblick in die jüdische und israelische Kunst.

Elvis lebt in Abu Gosh

20160116_Elvis (1)Letzte Woche war es wieder soweit: Wie jedes Jahr versammelten sich am 8. Januar zahlreiche Fans in einem Tankstellenrestaurant neben dem kleinen arabischen Dorf Abu Gosh, ca. 15min von Jerusalem entfernt um SEINEN Geburtstag zu feiern

The King – Nein, nicht König David – the one and only – ELVIS!

Dieses Jahr wäre er 80 Jahre alt geworden!20160116_Elvis (11)

Uri Yoeli gründete das Elvis-Inn 1974 und seither entwickelte sich die kleine Raststätte in den judäischen Bergen zum Pilgerort von Elvis-Verehrern aus aller Welt. Zu seinen Gästen zählten in den vergangen Jahren Sylvester Stallone, Joe Cocker, Sting und sogar der zweite King der Popgeschichte Michael Jackson!

Und ein Besuch lohnt sich auch heute noch: Bereits vor dem Restaurant begrüßen zwei 4 und 5m hohe Elvis-Statuen die Besucher und laden zum Essen ein. Die Gaststätte selbst schmücken über 1700 Elvis-Photos und Hunderte mehr oder weniger kitschige Elvis-Tassen, Aschenbecher und Magneten aus aller Welt. An einigen Tischen sitzen lebensgroße Elvisfiguren und während im Hintergrund die Elvis Platten hoch und runter gespielt werden, fühlt man sich in die 50er Jahre zurückversetzt.

20160116_Elvis (3)Beim Hamburger (oder doch lieber dem Teller mit orientalischem Hummus-Kichererbesenbrei) mag sich da der eine oder andere die Frage stellen: „Ist er wirklich tot oder ist etwas dran an der Theorie, sein Tod wurde vom FBI (oder doch dem KGB?!) nur inszeniert? Die Zweifel werden gestärkt durch die Elvis-T-Shirts am Ausgang des Restaurants mit der Aufschrift: „I saw Elvis at…“ mit Bildern der Popikone an der Klagemauer oder am Strand von Tel Aviv.

Wer Lust auf Elvis-Doubles mit Hüftschwung, Hosenanzug und den obligatorischen Koteletten hat: Am 16. August jährt sich der Todestags Elvis Presleys und dann heißt es im Elvis Inn wieder:

Der King ist tot, lang lebe der King

 

Stellungnahme des Forums deutschsprachiger Reiseleiter in Israel auf den Brandanschlag in Tabgha

Brandanschlag in Tabgha
I.

Mit großem Entsetzen haben wir – eine Gruppe deutschsprachiger Reiseleiter in Israel – von dem abscheulichen Brandanschlag auf das Kloster und die Brotvermehrungskirche in Tabgha am See Genezareth erfahren. Voller Trauer, Wut und Empörung möchten wir an dieser Stelle den Benediktinerbrüdern und -schwestern sowie der christlichen Bevölkerung Israels unsere Solidarität und Anteilnahme aussprechen. Unser besonderes Mitgefühl gilt dem 80 Jahre alten Mönch sowie der 20jährigen Volontärin, die durch das Einatmen des Rauchs verletzt wurden.

II.
Für uns Reiseleiter ist Tabgha eine der wichtigsten Orte im Norden Israels. Unsere Gruppen besichtigen dabei nicht nur die beeindruckenden Mosaike aus byzantinischer Zeit, sondern feiern an der Gebetsstelle Dalmanutha regelmäßig Messen. Viele deutschsprachige Pilgergruppen nutzen das Angebot der Benediktinermönche zu einem persönlichen Gespräch. In diesen Gesprächen erfuhren auch wir von der wunderbaren Arbeit der Tabgha angegliederten Behinderten- und Jugendbegegnungsstätte Beit Noah, in welcher jüdische und arabische Jugendliche die liebevoll gepflegte Gartenanlage als Erholungsstätte nutzen dürfen. Wir erfuhren aber auch, dass es in der Vergangenheit bereits mehrere rassistisch-religiös motivierte Anschläge auf das Tabgha-Kloster am See sowie die Dormitio-Abtei in Jerusalem gegeben hat. Allein in den letzten drei Jahren wurden in Israel über 50 Übergriffe auf Christen und christliche Einrichtungen gezählt. Diese Gewaltakte sind in keiner Weise zu rechtfertigen und nicht mit den Grundwerten des jüdischen Glaubens zu vereinen!

III.
Wir fordern die israelische Regierung auf, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um die feigen Attentäter zu fassen, vor Gericht zu stellen und mit angemessener Härte zu bestrafen. Wir sind jedoch überzeugt, dass Hassverbrechen – in diesem Fall auf die christliche Gemeinschaft – letztlich nicht durch abschreckende Strafen allein, als vielmehr durch weitreichende pädagogische Maßnahmen zur Förderung von Toleranz und Vielfalt in einer pluralistischen, demokratischen Gesellschaft verhindert werden können. In dieser unserer Gesellschaft haben Christinnen und Christen einen festen Platz. Entsprechend fordern wir von der israelischen Regierung und dem Erziehungsministerium, umgehend pädagogische Maßnahmen gegen die rechtsextreme Szene zu ergreifen. Wir stellen uns dabei vor, dass Aktionspläne ausgearbeitet und umzusetzt werden, in der ethnisch-religiöse Vielfalt, Toleranz & Demokratie thematisiert werden. Dieser Anschlag galt nicht nur den Christen. Er galt der israelischen Demokratie!

IV.
Abschließend möchten wir der Tabghagemeinschaft nochmals für ihre großzügige Gastfreundschaft danken, die wir bei unseren zahlreichen Besuchen genießen durften.

Diese Stellungnahme wird unterstützt von (Erstunterzeichner/innen, Stand: 19.06.2015):
Uriel Kashi, Sharon Schwab, Regula Alon, Eva Manger, Naomi Ehrlich Kuperman, Ingrid A. Velleine, Shiri Bendov, Myriam Grob-Rezaioff, Sandra Carmeli, Nora Strunz, Ineke Soesan, Fredi Dzialoszynski, Jonathan Tannhauser, Claudia Borchart, Michal Hoffmann, Gad Ben-Ami, Orit Sodemann, Heiko Sieger, Bertil Langenohl, Ralph Lewinsohn, Ushi Engel, Gabriele Levy, Chaim Lavi, Heidi Fenz, Yehuda Golan-Dim, Michael Cahanov, Claude Sternberg, Deena Clayman, Marion Giladi, Yael Shilo, Anna Jarck, Tati Weiss, Silvia Nirnstein Hess, Miri Henis, Dani Mire, Dani Schuber, Iris Herdan
Weitere Unterstützer findet sich unter der Adresse:
http://www.ipetitions.com/petition/stellungnahme-des-forums-deutschsprachiger

Licht-Festival in der Jerusalem Altstadt

Diese Woche findet in Jerusalem wieder das jährliche Licht-Festival statt. Künstler aus aller Welt präsentieren ihre Lichtinstallationen und projizieren diese an die Altstadtmauern oder an antike Gebäude. Während Kinderzeichnungen das Damaskustor in bunten Farben leuchten lassen, spazieren Comic-Figuren über das Christian-Information-Center am Jaffa-Tor.

Besonders gelungen fand ich dieses Jahr eine Live Sand-Licht Projektion der israelischen Künstlerin Sheli Ben Nun. Wie mit Zauberhänden erschuf Sie auf einer Glasplatte voller Sand Phantasielandschaften und menschliche Charaktere, die sogleich an die Mauern zum Leben erweckt wurden. Am Ende durften die Zuschauer sogar Zeugen eines Heiratsantrags werden. Der künftige Bräutigam bat Sheli, seinen Antrag vor allen Zuschauern an die Wand schreiben. Kein Wunder, dass bei soviel Charme seine Freundin Nataly sofort ihr Ja-Wort gab.

Aufkleber zwischen Krieg und Frieden

Aufkleber und Graffiti sind in Israel ein populäres Mittel, die eigene politische Meinung, Weltanschauung oder Vorliebe mehr oder weniger kreativ seinen Mitmenschen zu offenbaren. Besonders in den 90er Jahren gab es kaum ein Auto, auf dessen Heckscheibe nicht ein Aufkleber prangte, welcher die Verhandlungen mit den Palästinensern oder das Verhältnis zwischen Staat und Religion innerhalb Israels zustimmend oder kritisch kommentierte. Damals schrieb auch David Grossmann den berühmten Sticker-Song, der anschließend von der Hip-Hop Band HaDag Nachash vertont wurde. (Vgl. Endes dieses Blockbeitrags)

Auch zum aktuellen Konflikt entdecke ich auf Jerusalems Straßen ständig neue Bildwerke, die die Meinungsvielfalt innerhalb Israels, aber auch die z.T. etwas abstruse Weltsicht einiger Individuen dokumentieren.

Der erste hier vorgestellte Aufkleber erschien kurz nach der Ermordung der drei jüdischen Jugendlichen Naftali Fraenkel (16), Gilad Shaer (16) und Eyal Yifrah (19) im Juni 2014. In fast biblischem Hebräisch fordert der Text, auf den tragischen Tod mit dem Gebot der Nächstenliebe zu reagieren, damit die Seelen der Verstorbenen unbeschwert in die himmlischen Sphären aufsteigen könnten. Gott würde das Blut der Ermordeten rächen.

EyalNaftaliGiladAuf die folgende Militäroffensive reagiert der zweite Aufkleber. Hier heißt es: „Wir stärken und umarmen die Soldaten der Zahal (Israel Defense Forces – IDF) und trauern mit jenen, die in diesem Krieg Angehörige verloren haben.“

lovezahal

Aus einer ganz anderen Szene stammt hingegen das folgende Graffiti, welches ich an einer Bushaltestelle in der Gaza-Street entdeckte: „Untersuchungshaft = Entführung“ steht auf großen Lettern. Illustriert wird der Spruch mit einer Handschelle.

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Bezug nimmt der Graffiti wahrscheinlich auf die umstrittene „Administrative Haft“, welche von israelischen Militärgerichten gegenüber militanten Palästinensern verhängt wird. Aufgrund von „Sicherheitsrisiken“ kann es dabei passieren, dass weder die Betroffenen noch deren Anwälte die genauen Gründe und Beweise für die Inhaftierung erhalten und es auch zu keinem offiziellen Strafverfahren kommt. Auch wenn ich denke, dass die Praxis der Administrativhaft ein Ende finden muss und die Gefangenen in fairen Gerichtsverfahren angeklagt und gegebenenfalls verurteilt werden müssen, ist die Gleichsetzung mit der Entführung und Ermordung der o.g. Jugendlichen sicherlich geschmacklos.

In die gleiche Stoßrichtung folgt ein weiteres Graffiti, wo es einfach heißt: „Freiheit für alle politischen Gefangenen“.

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Mein „Lieblingsposter“ stammt jedoch aus dem ultraorthodoxen Mea Shearim Viertel:

Vier mit Atomsprengköpfen (!) bestückte Raketen fliegen von links in das Poster hinein, direkt darunter ein kaputtes iPhone. Eine Erklärung bietet der Text auf der rechten Seite:

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„Während die Raketensirenen ertönen [Anm. U.K.: Auch Jerusalem wurde – wenn auch seltener – mit einigen Raketen aus dem Gazastreifen beschossen], nehmen wir es auf uns und werfen die iPhones und ähnlichen Geräte hinfort. Wir reinigen unsere Häuser von diesen sündigen Geräten. Sodann werden wir [vom Raketenbeschuss] erlöst.

Moderne Smartphones werden von einigen Ultraorthodoxen strikt abgelehnt, da sie den Zugriff ins Internet und somit auf „unanständige Seiten“ ermöglicht. Dies verhindere ein Leben gemäß der Heiligen Schriften.

Sind also die Raketen aus Gaza nichts anderes als ein Weg Gottes, seinem Ärger über das ständige Telefongeklingel an der Klagemauer Luft zu machen?

Und wer es noch nicht kennt, hier noch der “Sticker-Song” von HaDag Nachash

Die Übersetzung des Texts stammt aus der Seite von Hagalil

Eine ganze Generation fordert Frieden!
Lasst ZaHaL siegen!
Ein starkes Volk macht Frieden!
Lass ZaHaL sie zerfetzen!

Mit Arabern kann es keinen Frieden geben!
Gebt ihnen (den Palästinensern) keine Gewehre!

Es geht nichts über die Kampfeinheit, mein Bruder!
Wehrdienst für Alle! Freistellung für Alle!
Es gibt doch keine Verzweiflung in der Welt!
Judaea, Samaria und Gaza sind hier!

NaNachNachman aus Uman…
Keine Angst, der Messias ist nah!

Keine Araber, keine Anschläge!
Der Oberste Gerichtshof (BaGaZ) gefährdet Juden!

Das Volk steht zum Golan!
Das Volk ist für den Transfer (Araber raus)!
Lass Deinen Wagen in Jarka checken! (Werbung einer Autowerksatt)

Chawer, atah chasèr! (d.h. “Freund du fehlst!”, gemeint ist Rabin)
Heiliger, gelobt seiest Du, wir wählen Dich!
Direktwahl (des Premiers) ist schlecht!
Heiliger, gelobt seiest Du, wir ereifern uns für Dich!
Tod den Eiferern (Zeloten)!

Im Chor:
O je, wieviel Übel kann man schlucken!
Vater, hab Erbarmen, Vater, hab’ Erbarmen,
Ich heisse Nachman – und ich stottere.

O je, wieviel Übel kann man schlucken!
Vater, hab Erbarmen, Vater, hab’ Erbarmen,
G’tt sei Dank! Ich atme!

Ein Staat nach Halakhah (Religionsgesetz) – ist kein Staat mehr.
Wer geboren wurde, der hat schon gewonnen!
Es lebe der König Mashiach (Messias)

Ich fühle mich sicher, beim Frieden á la Sharon!
Hebron für immer und ewig!
Und wer nicht geboren wurde, der hat verloren.

Hebron, Stadt der Väter!
Bye, bye Transfer!
Kahane hatte Recht!
CNN lügt!

Wir brauchen starke Führung!
Frieden ist klasse und Danke für die Sicherheit.
Wir haben keine Kinder für unnötige Kriege!

Die Linke hilft den Arabern!
Bibi ist gut für die Juden.

Oslo Verbrecher vor Gericht!
Wir hier, sie dort!
Brüder vertreiben einander nicht! (Aufruf gegen die Räumung der Siedlungen)
Die Räumung von Siedlungen spaltet das Volk!
Tod den Verrätern!

Lasst die Tiere leben!
Tod den Werten!

Im Chor:
Wieviel Übel kann man nur schlucken!
Vater, hab Erbarmen, Vater, hab’ Erbarmen,
Ich heisse Nachman – und ich stottere.

Wieviel Übel kann man schlucken!
Vater, hab Erbarmen, Vater, hab’ Erbarmen,
G’tt sei Dank! Ich atme!

Vernichten, töten, vertreiben, täuschen!
Eliminieren, Ausliefern, Todesstrafe!
Niederreissen, Ausradieren, Niederwerfen bis zum Grund!

… an allem bist Du Schuld, Chawer!*

*) Mit Chawer (Freund) ist wieder Rabin gemeint, der “Hauptverbrecher von Oslo”, der am 4. Nov. 1995 von einem aufgehetzten Rechtsextremisten erschossen wurde. Geprägt wurde die Bezeichnung “Chawer” von US-Präsident Bill Clinton, der seine Abschiedsrede bei der Beerdigung mit “Shalom Chawer! Good bye, friend!” abschloss.

Orthodoxe Demonstration gegen die Wehrpflicht.

In Jerusalem demonstrierten heute mehrere hunderttausend jüdische Orthodoxe gegen die Einfühung der allgemeinen Wehrpflicht. Auf das nicht immer einfache Verhältnis der Ultraorthodoxen zum heutigen Staat Israel bin ich in einem früheren Blogbeitrag bereits eingegangen. Seither hat sich die Lage weiter zugespitzt. Die neue Regierung hat einen Gesetzesentwurf eingebracht, der vorsieht, die Wehrpflicht schrittweise auch auf ultraorthodoxe Männer auszuweiten.
Grund für den Gesetzesentwurf ist u.a., dass der oberste Gerichtshof die bisherige Befreiung der Ultraorthodoxen vom Wehrdienst als unrechtmäßig eingestuft hat. Weiter hofft die Regierung durch die Ausweitung der Wehrpflicht langfristig mehr Ultraorthodoxe in den Arbeitsmarkt zu integrieren.
Die heutige Gegendemonstration – eine der größten Demonstrationen in der Geschichte Israels – begann mit lauter Musik und einem gemeinsamen Nachmittagsgebet. Während ich die Demonstration beobachtete, empfand ich die Stimmung als sehr entspannt und überhaupt nicht gewalttätig. Dennoch ist die erfolgreiche Massenmobilisierung natürlich eine Hinweis für die Regierung, dass missliebige Entscheidungen durchaus auf Widerstand in der orthodoxen Bevölkerung stoßen wird.

Anbei ein paar Photos vom heutigen Tag inkl. Übersetzung der Schilder:

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“Wie ein Goj (Nichtjude) leben, könnten wir auch in Norwegen”

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“Es wird nicht gelingen, uns den Militärdienst aufzuzwingen”

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“Die Israelische Regierung schikaniert und zerstampft grob observante Juden”

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Männer und Frauen demonstrieren getrennt. Hier die Männerseite…

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… und hier die Frauenseite…

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“Nur in Israel gilt das Thora lernen als Verbrechen!!!”


Partystimmung verbreiteten (wie immer) die Anhänger des Rabbi Nachman von Breslov

Bereits vor ein paar Monaten fand ich bei einem Spaziergang durch Mea Shearim folgenden Aufkleber. Ein israelischer Soldat macht sich auf die Jagd nach völlig schockierten kleinen orthodoxen Jungs…

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Wir dürfen gespannt sein, wie sich dieses Thema weiter entwickeln wird.

Jerusalem, die …

Jerusalem, die Heilige Stadt. Sie ist das Ziel zahlreicher Pilger weltweit, ein Ort zwischen Religionen, Kriegen und Kulturen. Uriel Kashi, Reiseleiter in Israel, zeigt seinen Gästen aber auch ein anderes Jerusalem. Das, in dem Christen, Moslems und Juden nebeneinander und miteinander leben und sich arrangieren. Das Jerusalem, in dem im selben Laden T-Shirts mit »Free Palestine!« – Aufdruck, Motiven der israelischen Armee, von Jesus und von Popstars ausliegen. Er zeigt die Heilige Stadt mit Kirchen, Moscheen und Schreinen und die Stadt, in der die etwa eine Million Einwohner täglich ihren Geschäften nachgehen.

Ende letzten Jahres (2013) gab ich der Journalistin Susann Lederer ein Interview über Jerusalem und meine Stadtführungen dort.
Heute erschien der Artikel im Reisemagazin der Urlaubsbuchungswebsite www.ab-in-den-urlaub.de.
Wer Lust auf den Artikel hat, findet ihn im PDF-Format (5.5 MB) auf meiner Homepage unter:

http://www.reiseleiter-israel.de/israel/JerusalemUrlaub.pdf

 

 

Filme aus Israel

Die israelische Filmlandschaft zählt sicherlich zu den spannendsten in der Welt. Spielfilme, Autorenfilme und auch viele Dokumentationen beschäftigen sich dabei nicht unbedingt mit dem israelisch-arabischen Konflikt. Stattdessen stellen sie oft die Lebensbedingungen und Alltagswelt der Menschen in diesem Land anschaulich dar und ermöglichen es Interessierten, historische und kulturelle Zusammenhänge besser nachvollziehen zu können.

Tobias Ebbrecht ist ein Filmwissenschaftler aus Berlin, der lange wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule für Film & Fernsehen “Konrad Wolf” in Potsdam sowie an der Bauhaus Universität Weimar war. Er promovierte zu dem Thema: Geschichtsbilder im medialen Gedächtnis. Filmische Narrationen des Holocaust und war bis vor kurzem Postdoctoral Research Fellow am International Institute for Holocaust Research Yad Vashem in Jerusalem.

Yesh Kolnoa. Blog von Tobias Ebbrecht.
Yesh Kolnoa. Blog von Tobias Ebbrecht.

Pünktlich zu den Internationalen Filmfestspielen in Berlin (Berlinale) beginnt Tobias nun einen neuen Blog namens Yesh Kolnoa (Es gibt ein Kino). Schwerpunktmäßig schreibt er hier über die zahlreichen israelischen Beiträge auf dem Filmfestival, geht aber auch ausführlich auf andere Filme mit historischer Thematik ein.

Flüchtlinge in Israel

Letzten Samstag fand in Tel Aviv zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit ein Brandanschlag  auf ein von afrikanischen Flüchtlingen bewohntes Haus in Süd-Tel-Aviv statt. Der Anschlag hat in Israel die Diskussion wieder neu aufleben lassen, wie das Land mit dem verstärkten Zustrom von afrikanischen Flüchtlingen umgehen soll. Hierzu möchte ich an dieser Stelle ein paar Hintergrundinformationen geben:

Die meisten Flüchtlinge erreichen das Land illegal über die Ägyptische Grenze. Etwa 35.000 Flüchtlinge aus dem Sudan, aus Eritrea und anderen afrikanischen Ländern befinden sich heute in Israel. Teilweise handelt es sich um Kriegsflüchtlinge, doch scheinen auch einige Wirtschaftsflüchtlinge unter ihnen zu sein. Insbesondere in Tel Aviv und Eilat gibt es mittlerweile Stadtteile, in welchen die afrikanischen Flüchtlinge das Straßenbild stark prägen. 

Vom 4.-6. März 2012 veranstaltete die Rosa Luxenburg Stiftung in Kooperation mit der Flüchtlingshilfsorganisation ASSAF ein Seminar mit dem Titel: „Staatliche Flüchtlingspolitik und Gegenstrategien“. Leider konnte ich an dem Seminar nicht teilnehmen, aber seit ein paar Tagen finden sich die wichtigsten Vorträge über Youtube online.  Besonders beeindruckend fand ich den Vortrag von Gavriel Tekle, welcher mit seiner Organisation die Flüchtlinge aus Eritrea vertritt:

In seinem Vortrag berichtet er von viel Unterstützung, und dass viele israelische Soldaten, Politiker, Journalisten und auch einfache Menschen den Flüchtlingen engagiert unter die Arme gegriffen hätten. Viele Menschen kämen regelmäßig in die sog. “Shelters”, um Lebensmittel oder Kleidung vorbeizubringen. Zwar gäbe es noch viele Herausforderungen zu bewältigen, aber alles in allem erscheint er sehr angetan von der Solidarität und der Wärme, mit der ihm viele Menschen in Israel begegnet sind. Die ereträische Flüchtlingsgemeinde – so Tekle weiter – versuche sich für diese Unterstützung zu bedanken, indem sie sich an sozialen Projekten beteilige. Aktuellstes Beispiel: Anläßlich des Pessachfestes hätten eriträische Freiwillige in Wohnungen von Holocaustüberlebenden “Frühjahrsputz” erledigt. (Vgl. hierzu auch das Video des Aufheulens der Gedenksirene für den Holocaust im Levinsky-Park nahe des zentralen Busbahnhofs in Tel Aviv. In diesem Stadtteil leben viele der Flüchtlinge aus dem Sudan und Eritrea)

In einem weiteren Vortrag beschreibt Anat Ben Dor von der Refugee Rights Clinic of the Tel Aviv University die Entwicklung der israelischen Asylpolitik von 2002 bis heute. Israel sei auf einen Flüchtlingsstrom aus Afrika überhaupt nicht vorbereitet gewesen,  sei als Staat aber auch nie bereit gewesen, seine Tore für die Hilfsbedürftigen weit zu öffnen. Stattdessen könne man in den letzten Jahren die Entwicklung feststellen, dass der Staat versuche – ähnlich wie zuvor schon Europa – den Zustrom von Flüchtlingen möglichst zu unerbinden. Heute würden nur 0,2% aller Asylanträge in Israel positiv entschieden. Obwohl Ben Dor die aktuelle europäische Flüchtlingspolitik meiner Meinung nach stark idealisiert, ist ihr Beitrag durchaus sehenswert.

Zur Frage des Umgangs mit den – meist moslemischen – Asylanten ist die israelische Gesellschaft wieder geteilter Meinung. Während die Einen Israel in der Pflicht sehen, Flüchtlinge bei sich aufzunehmen und insbesondere auf die Situation jüdischer Flüchtlinge zur Zeit des Holocausts verweisen, zeigen sich Andere – und hierzu gehören auch große Teile der jetzigen Regierungskoalition unnachgiebig und sprechen sich für möglichst schnelle Ausweisungen aus. Begründet wird diese mit den ohnehin schon zahlreichen Problemen und Herausforderungen, welche dieses doch sehr kleine Land zu bewältiugen habe. Teil des Planes, sich vor einem weiteren Zustrom afrikanischer Flüchtlinge zu schützen, liegt übrigens im Bau einer Mauer entlang der ägyptischen Grenze, die Ende 2012 fertiggestellt werden soll.

Entsprechend stößt der Versuch zahlreicher NGOs,  sich für die Rechte der Flüchtlinge starkzumachen,  nicht überall auf Wohlwollen. Es gab sogar den Versuch der jetzigen Regierung, die Finanzierung von NGOs, die sich für die Rechte dieser wie auch der arabischen Minorität im Land einsetzen, gesetzlich zu behindern. Allerdings scheinen diese Bestrebungen vorerst keinen Erfolg gehabt zu haben.